zentrum für informations-
und medientechnik

Verletzlichkeit erleben - Seminartag im Hospiz St. Martin


Im Rahmen der Seminartage Religion/Ethik besuchte unsere Klasse W2SY2 gemeinsam mit
Herrn Johannes Schick das Hospiz St. Martin in Stuttgart-Degerloch. Das Seminar stand unter
dem Thema „Verletzlichkeit“ und setzte sich mit einer Frage auseinander, die jeden Menschen
betrifft: Was bedeutet es, verletzlich zu sein – und wie gehen wir damit um?


Bereits im Unterricht beschäftigten wir uns mit den Gedanken des Medizinethikers Giovanni
Maio. Dabei wurde deutlich, dass Verletzlichkeit kein Zeichen von Schwäche ist, sondern zum
Menschsein dazugehört. Jeder Mensch ist auf andere angewiesen – auf Anerkennung, Fürsorge
und Gemeinschaft. Diese theoretischen Impulse wurden beim Besuch im Hospiz auf
eindrucksvolle Weise greifbar.


Vor Ort führte uns Frau Carmen Gremmelpacher, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizes,
durch das Haus und gab uns Einblicke in die hospizliche Arbeit. Besonders eindrücklich war die
Atmosphäre des Hauses: ruhig, offen und würdevoll. Das Hospiz St. Martin begleitet Menschen
in ihrer letzten Lebensphase und stellt dabei nicht die Krankheit, sondern den Menschen in den
Mittelpunkt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Palliativversorgung: Sie hat nicht das Ziel zu
heilen, sondern Beschwerden zu lindern, Schmerzen zu nehmen und die verbleibende
Lebenszeit so angenehm und würdevoll wie möglich zu gestalten.


Auch die Architektur des Hauses trägt diese Haltung sichtbar nach außen. Das Gebäude
erinnert mit seinen zwei roten Außenseiten an den geteilten Mantel des heiligen St. Martin – ein
Symbol für Mitgefühl, Fürsorge und das Teilen. Im Inneren begegneten uns viele bewusst
gestaltete Symbole, die zum Nachdenken anregten und das Thema Sterben, Hoffnung und
Verbundenheit auf besondere Weise erfahrbar machten.


Ein Bild aus der Kapelle zeigt einen Tisch mit bewusst gelassenen Lücken. Die
herausgeschnittenen Stücke fehlen nicht einfach – sie hängen an anderen Stellen im Raum und
werfen als Licht und Schatten neue Formen an die Wand. So wird sichtbar: Auch wenn etwas
fehlt, bleibt es dennoch da. Es verändert seine Form, aber nicht seine Bedeutung. Dieses Bild
steht sinnbildlich für Verlust, Erinnerung und die Spuren, die Menschen hinterlassen.


Ein weiteres Symbol begegnete uns im Bild des Mantels von St. Martin. Der Mantel besteht aus
vielen verschiedenen Farben und Stoffstücken – jedes Teil für sich einzigartig. Zusammen
ergeben sie ein Ganzes. Ein roter Faden zieht sich durch den gesamten Mantel und verbindet
alles miteinander. Er steht sinnbildlich für das, was Menschen trotz aller Unterschiede
verbindet: Menschlichkeit, Fürsorge und das Getragensein in schweren Zeiten.


Zum Abschluss erhielten wir von Frau Gremmelpacher einen kleinen Stein als Zeichen der
Hoffnung. Das gemeinsame Bild unserer Hände mit diesem Stein zeigt mehr als nur einen
Moment des Besuchs – es steht für Zusammenhalt, Erinnerung und die Hoffnung, die selbst in
der Auseinandersetzung mit Sterben und Tod ihren Platz behält.


Der Besuch im Hospiz St. Martin hat uns gezeigt, dass Verletzlichkeit nicht nur mit Schmerz und Verlust verbunden ist, sondern auch mit Nähe, Würde und Menschlichkeit. Der Seminartag hat uns dazu eingeladen, Verletzlichkeit nicht als Schwäche zu sehen, sondern als etwas, das uns miteinander verbindet.


Text und Bilder: Razan Tenah, W2SY2

Kontakt

it.schule stuttgart
Breitwiesenstraße 20-22
70565 Stuttgart

 

Tel.: (0711) 216-89222
Fax: (0711) 216-89279

Sekretariat

Montag – Donnerstag
7:30 – 11:30 Uhr
13:00 – 14:00 Uhr

 

Freitag
7:30 – 12:30 Uhr