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Gemeinsam voneinander lernen - Erasmus+-Job-Shadowing der it.schule stuttgart in Madrid

Wie funktioniert berufliche Bildung in Spanien? Welche Gemeinsamkeiten gibt es mit dem deutschen Ausbildungssystem und wo unterscheiden sich die Systeme? Mit diesen Fragen reisten zehn Lehrkräfte der it.schule Stuttgart aus den Bereichen IT-Berufe, kaufmännische und gewerbliche Berufe, Mediengestaltung, Fachschule für Technik, Berufskolleg und Technisches Gymnasium im Rahmen eines durch Erasmus+ geförderten Job Shadowings nach Madrid.

Ziel der Mobilität war es, das spanische Berufsbildungssystem kennenzulernen, Unterricht und Schulorganisation im europäischen Vergleich zu erleben, Best-Practice-Beispiele zu sammeln und internationale Kontakte aufzubauen. Gleichzeitig sollten die Grundlagen für eine langfristige Zusammenarbeit geschaffen werden – mit der Perspektive, künftig auch Schülerinnen und Schüler der it.schule Stuttgart im Rahmen von Erasmus+ nach Madrid zu entsenden.

Berufliche Bildung im europäischen Vergleich

Im Mittelpunkt der Woche standen Besuche an den beiden staatlichen Berufsschulen IES Virgen de la Paz in Alcobendas und IES Luis Vives in Leganés. Beide Schulen bilden unter anderem in den Bereichen Informatik und Verwaltung aus und gewährten uns einen umfassenden Einblick in ihren Schulalltag.

Besonders in Erinnerung bleiben wird der außergewöhnlich offene Empfang. Die Schulleitungen sowie zahlreiche Lehrkräfte nahmen sich viel Zeit für persönliche Gespräche und beantworteten unsere Fragen mit großer Offenheit. Ein besonderer Dank gilt Laura Martin (IES Virgen de la Paz) und Javier Nieto Bautista (IES Luis Vives), die unsere Besuche begleiteten und den fachlichen Austausch ermöglichten.

Gerade die vielen Gespräche im kleinen Kreis erwiesen sich als besonders wertvoll. Schnell wurde deutlich, dass Lehrkräfte in Deutschland und Spanien vor ähnlichen Herausforderungen stehen – sei es bei der Digitalisierung des Unterrichts, der Motivation der Lernenden oder der Weiterentwicklung der beruflichen Bildung. Gleichzeitig entstanden erste Ideen für einen weiteren Austausch und zukünftige gemeinsame Erasmus+-Projekte.

Ein junges duales System mit eigenen Herausforderungen

Ein Schwerpunkt der Gespräche war das spanische Berufsbildungssystem. Während die Ausbildung bis 2018 überwiegend schulisch organisiert war, wurde sie seit 2021 schrittweise auf ein duales Modell umgestellt. Im Vergleich zum deutschen System befindet sich diese Entwicklung jedoch noch in einer frühen Phase.

Besonders eindrücklich schilderten uns die spanischen Lehrkräfte die Organisation der Praxisphasen. Anders als in Deutschland übernehmen die Schulen selbst die Aufgabe, für alle Schülerinnen und Schüler geeignete Praktikumsbetriebe zu finden. Dieser Prozess erfordert jedes Jahr einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Ein Lehrer berichtete, dass die meisten Unternehmen bevorzugt nur die leistungsstärksten Schülerinnen und Schüler aufnehmen möchten. Gleichzeitig bestehe die Sorge, dass ein Betrieb im Folgejahr keine Praktikumsplätze mehr anbietet, wenn die Zusammenarbeit einmal nicht zufriedenstellend verlaufen sei. Diese Gespräche machten deutlich, vor welchen Herausforderungen sich das spanische Berufsbildungssystem derzeit befindet.

Auch bei der Leistungsbewertung zeigten sich Unterschiede. Während in Deutschland Leistungsnachweise meist über einen längeren Zeitraum verteilt stattfinden, berichteten unsere spanischen Kolleginnen und Kollegen von mindestens zwei verpflichtenden Leistungsüberprüfungen pro Fach und Monat – unabhängig davon, ob es sich um Haupt- oder Nebenfächer handelt. Der damit verbundene Leistungsdruck überraschte viele von uns und führte zu spannenden pädagogischen Diskussionen.

Moderne Lernräume und innovative Ideen

Beeindruckend war die moderne Ausstattung insbesondere der IES Luis Vives. Großzügige Fachräume, offene Lernlandschaften, Makerspaces und moderne Virtual-Reality-Anwendungen schaffen hervorragende Voraussetzungen für einen praxisnahen Unterricht.

Besonders eindrucksvoll war eine VR-Anwendung für angehende Kfz-Mechatronikerinnen und Kfz-Mechatroniker. Bevor Reparaturen an einem Elektrofahrzeug durchgeführt werden dürfen, müssen die notwendigen Arbeitsschritte zunächst vollständig in einer virtuellen Umgebung absolviert werden.

Auch das Thema Nachhaltigkeit ist an der Schule sichtbar verankert. Photovoltaikanlagen, E-Ladesäulen und spezielle Lernbereiche für nachhaltige Technologien zeigen, wie Zukunftsthemen selbstverständlich in den Schulalltag integriert werden.

Überrascht hat uns außerdem der hohe Stellenwert von Bewegung und Sport. Den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften stehen unter anderem ein Padel-Platz, ein Fußballkäfig und weitere Sportanlagen wie die Sporthalle mit fitnessgeräten zur Verfügung. Sportgeräte können unkompliziert ausgeliehen werden und fördern Bewegung auch außerhalb des Unterrichts – ein Ansatz, den wir in dieser Form an deutschen Berufsschulen bislang nur selten erleben.

Austausch mit der Deutsch-Spanischen Auslandshandelskammer

Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch der Deutsch-Spanischen Auslandshandelskammer (AHK) Madrid. Dort erhielten wir von Jutta Rölleke spannende Einblicke in die Zusammenarbeit deutscher Unternehmen mit Spanien sowie in die Entwicklung der dualen Berufsausbildung.

Besonders interessant war die Rolle der AHK beim Aufbau neuer Ausbildungsangebote sowie bei der Unterstützung deutscher Unternehmen – von der Fachkräftegewinnung über die Ausbildung bis hin zur Begleitung beim Markteintritt in Spanien. Für uns als Berufsschule bot dieser Austausch wertvolle Einblicke in die internationale Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bildung.

Kultur als Teil des europäischen Austauschs

Ein Erasmus+-Job-Shadowing bedeutet weit mehr als Schulbesuche. Ebenso wichtig ist das Verständnis für die Kultur und Geschichte des Gastlandes.

Ein weiterer Höhepunkt war der gemeinsame Ausflug nach Toledo, der UNESCO-Welterbestadt der drei Kulturen. Während einer Stadtführung erhielten wir spannende Einblicke in das jahrhundertelange Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen. Der Besuch der Synagoge Santa María la Blanca, der ehemaligen Moschee Cristo de la Luz sowie des Klosters San Juan de los Reyes machte diese Geschichte eindrucksvoll erlebbar.

Auch die Besuche des Museo del Prado mit Meisterwerken von Velázquez, Goya und El Greco sowie des Museo Thyssen-Bornemisza mit seiner außergewöhnlichen Privatsammlung boten beeindruckende kulturelle Eindrücke. Gemeinsame Abendessen und Gespräche rundeten das Programm ab und stärkten gleichzeitig den Zusammenhalt innerhalb unserer Reisegruppe.

Was nehmen wir aus Madrid mit?

Das Job Shadowing hat uns viele neue Perspektiven eröffnet. Besonders beeindruckt haben uns die Offenheit und das große Interesse der spanischen Lehrkräfte am fachlichen Austausch. Gleichzeitig wurde uns erneut bewusst, welchen hohen Stellenwert das deutsche duale Ausbildungssystem international genießt. Viele unserer Gesprächspartner blickten mit großem Interesse auf die enge Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen, Betrieben und Kammern in Deutschland. Uns wurde dabei einmal mehr bewusst, dass dieses System das Ergebnis einer über Jahrzehnte gewachsenen Zusammenarbeit ist, von der Schulen, Unternehmen und Auszubildende gleichermaßen profitieren.

Gleichzeitig konnten wir zahlreiche Anregungen für unsere eigene Schule mitnehmen – von modernen Lernräumen über den Einsatz digitaler Technologien bis hin zu neuen Ideen für internationale Kooperationen. Ebenso wertvoll war der intensive Austausch innerhalb unseres eigenen Teams. Lehrkräfte aus unterschiedlichen Bildungsgängen nutzten die gemeinsame Woche, um Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen für Unterricht und Schulentwicklung zu entwickeln.

Ausblick

Die Mobilität hat eindrucksvoll gezeigt, welchen Mehrwert europäische Zusammenarbeit für die berufliche Bildung bietet. Ein besonderer Dank gilt Jorge Arias von My Abroad Ally, der die Organisation der Woche hervorragend koordinierte und den Kontakt zu den spanischen Partnerinstitutionen ermöglichte.

Die geknüpften Kontakte bilden eine hervorragende Grundlage für zukünftige Erasmus+-Projekte. Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit den Partnerschulen weiter auszubauen und perspektivisch auch Schülerinnen und Schülern der it.schule Stuttgart die Möglichkeit zu eröffnen, internationale Erfahrungen in Madrid zu sammeln. Denn gerade der persönliche Austausch über Ländergrenzen hinweg zeigt, dass berufliche Bildung in Europa vor ähnlichen Herausforderungen steht – und dass wir voneinander lernen können.

Text und Bilder: me

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