zentrum für informations-
und medientechnik

DDR-Zeitzeuge an der it.schule

An unserer Schule hatten wir am13.01.2026 die besondere Gelegenheit, einen Zeitzeugen zu empfangen, der eindrucksvoll von seinem Leben in der DDR berichtete. Herr Pfützenreuter ist heute 75 Jahre alt und verbrachte 21 Jahre seines Lebens in der Deutschen Demokratischen Republik. Sein Besuch ermöglichte uns einen sehr persönlichen Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Zustände dieser Zeit. Zu Beginn sprach Herr Pfützenreuter über seine Lebensphilosophie „The present is a gift“ die Gegenwart als Geschenk zu sehen. Nach all dem, was er erlebt hat, ist ihm bewusst geworden, wie wertvoll Freiheit und Selbstbestimmung sind. Besonders bewegend waren die traurigen Geschichten über seine Eltern, die ebenfalls unter den Umständen der DDR litten und sein Leben stark prägten.

Ein zentrales Thema seines Vortrags war seine Gefangenschaft. Während der Hochzeitsreise im Dezember 1972 wurde er in der Tschechoslowakei gemeinsam mit seiner Ehefrau unter dem Vorwurf des „versuchten illegalen Grenzübertritts im schweren Fall“ verhaftet. Ohne eine wirkliche Begründung wurde er zu 2 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Auch seine Frau blieb nicht verschont: Sie musste ebenfalls eine Haftstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten verbüßen. Damit wurde ihre Familie auseinandergerissen und ihr gesamtes Leben auf den Kopf gestellt.

Besonders eindrucksvoll schilderte Herr Pfützenreuter die Zeit im Gefängnis. Die Inhaftierten wurden dort völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Kontakt zu Angehörigen, keine Gespräche mit vertrauten Menschen, kein Blick in die Natur. Man fühlte sich vergessen und isoliert, als existiere man für die Gesellschaft nicht mehr. Diese Einsamkeit und das Gefühl des Ausgelöschtseins hinterließen tiefe seelische Spuren. Während seines Vortrags zeigte Herr Pfützenreuter auch Bilder, die seine Erzählungen noch greifbarer machten. Außerdem berichtete er über die Hinrichtungsstätte in Leipzig, die Teil des Unterdrückungssystems der DDR war. Diese Schilderungen machten uns deutlich, wie brutal der Staat gegen Menschen vorging, die nicht ins System passten.

Ein weiteres wichtiges Thema war seine Rehabilitierung im Jahr 1990. Erst nach dem Ende der DDR wurden die Urteile offiziell aufgehoben. Dennoch machte Herr Pfützenreuter deutlich, dass sich das erlebte Unrecht nicht einfach rückgängig machen lässt. Er sprach darüber, wie aus solchen Erfahrungen Hass entstehen kann. Der gesamte Vortrag wurde von allen sehr still und aufmerksam verfolgt. Man konnte die Betroffenheit im Raum deutlich spüren. Der Besuch dieses Zeitzeugen hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, um aus ihr zu lernen und die Freiheit, in der wir heute leben, wertzuschätzen.

Text: Oskar Opara – TGIJ2

Kontakt

it.schule stuttgart
Breitwiesenstraße 20-22
70565 Stuttgart

 

Tel.: (0711) 216-89222
Fax: (0711) 216-89279

Sekretariat

Montag – Donnerstag
7:30 – 11:30 Uhr
13:00 – 14:00 Uhr

 

Freitag
7:30 – 12:30 Uhr