IT-Schüler als Fachinformatiker und Kugelstoßer

Von der Kunst, zwei Ziele zu erreichen

Verglichen mit den typischerweise eher unsportlich wirkenden IT-Nerds, fällt Simon Bayer durch seine durchtrainierte Erscheinung schon auf. Dass in dem 21jährigen angehenden Fachinformatiker für Systemintegration aber ein veritabler Leistungssportler steckt, hat er während seiner Ausbildungszeit an der it.schule für sich behalten. "Ich wollte keine Reklame damit machen", sagt der Leichtathlet mit Spezialisierung auf Kugelstoßen.

Drei Jahre lange hat er an unserer Schule seine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht und dabei den Sport nie aus den Augen gelassen. Im Gegenteil - seit seinem Einstieg in die Leichtathletik im Alter von neun Jahren hat Bayer zielstrebig an seiner sportlichen Karriere gearbeitet und war dabei auch sehr erfolgreich. Den Preis, den er schon als Jugendlicher dafür zahlen musste, war hoch: Keine Freizeit, wie sie andere in seiner Altersgruppe haben, sondern tägliches Trainieren und dann mit 15 Jahren Wegzug vom Elternhaus im bayerischen Wasserburg nach Stuttgart, um im Sportinternat des Wirtemberg-Gymnasiums die sportliche Laufbahn noch weiter auszubauen. Auch wenn er manchmal Heimweh hatte, so sieht doch im Rückblick diese Zeit positiv: "Im Internat habe ich sehr viel über das Leben gelernt, es hat mich selbständig gemacht und mir in manchen Dingen einen Weitblick gegeben."  

Seine Erfolge und Zielsetzungen können sich sehen lassen: in der U18-Jahrgangsstufe bayerischer Meister im Kugelstoßen und Vizemeister im Zehnkampf; in der U 20-Stufe 7. in der Weltjahresbestenliste und damit baden-württembergischer Rekordhalter. Letztes Jahr verpasste er den Meistertitel knapp und wurde deutscher U23 Vizemeister. Dieses Jahr will er es nochmal im Juli bei der in Polen stattfindenden Europameisterschaft probieren. Und nächstes Jahr im August schließlich die Europameisterschaft in Berlin. Aber damit sind noch nicht alle Herausforderungen geschafft - immerhin will Simon Bayer nichts weniger als 2020 an der Olympiade teilzunehmen.

Simon Bayer nach dem Stoß

Und wie kann man solch hohe Ziele erreichen? Nach dem Stichwort Doping befragt, wehrt Bayer heftig ab. Leider sei die Leichtathletik in letzter Zeit mehrmals international in Dopingfälle verwickelt gewesen. "Ich will mit alldem nichts zu tun haben", sagt er kurz und bündig. Die NADA, die für die deutschen Athleten zuständig sei, könne Blut oder Urin theoretisch jederzeit und überall kontrollieren, was auch immer wieder geschehe. Dazu müsste online der aktuelle bzw. der geplante Aufenthalt angegeben werden. Die Kontrollen fänden unregelmäßig und nach dem Zufallsprinzip statt, in der Regel aber alle 1-2 Monate.

Seiner Meinung nach könne man die Leistung aber auch erbringen, ohne den Körper auszutricksen, wenn denn die Rahmenbedingungen stimmten, z.B. durch ein vielseitiges Training wie Springen, Sprinten, Balance-Übungen und Kraft. Zudem werde er am Olympiastützpunkt Stuttgart in vielen Sachen wie Laufbahnberatung und Physio beraten und ärztlich betreut.

Für manche professionellen Sportler allerdings seien der Sport und die Unterstützung durch Sponsoren die einzige Einnahmequelle, und so, wie es zu Leistungsdruck im normalen Beruf komme, könne es deshalb im Sport auch dazu kommen. Unterstützung vom Arbeitgeber, Zeit für Trainingslager und Privatleben seien wichtige Voraussetzungen für ein Sportlerleben. "Ich persönlich versuche meine Regenerationszeiten einzuhalten, meine Ernährung je nach Bedarf anzupassen und einfach auch mal zu entspannen. Denn es gilt, wer nach einem anstrengenden Training wieder Leistung bringen will, muss seinem Körper Gutes tun!"

Er räumt ein, dass seine sportlichen Ambitionen jedoch nicht immer so einfach mit den Anforderungen der Ausbildung zu vereinbaren waren. 20 Stunden Training pro Woche, diverse Termine in der ganzen Republik, immer wieder Trainingslager. Kein Wunder, dass er manchmal total übermüdet im Unterricht saß oder sogar Unterricht versäumte.  Was er an der Schule vermisst hat, war eine kleine Küche oder zumindest eine Mikrowelle, so wie in seinem ehemaligen Internat: "Ich habe einen Kalorienverbrauch von 4000 bis 5000 Kalorien pro Tag. Da muss man ständig essen und bräuchte eigentlich eine Gelegenheit, um sich seine Sachen warm zu machen."

Sehr dankbar ist vor allem seinem Betrieb, der sich sehr wohlwollend seinem sportlichen Ehrgeiz gegenüber gezeigt habe: "Mein Chef hat akzeptiert, dass ich immer wieder spontan nicht da sein kann. Dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Dankbar ist er auch seinen zwei Trainern Rolf Österreich und Artur Hoppe. Der frühere DDR-Kugelstoßer Österreich, der in den 70er Jahren einer der Weltbesten seiner Disziplin war, dem aber damals aus politischen Gründen die Anerkennung eines Weltrekords und somit eine weitere Karriere verwehrt war, ist Bayers großes Vorbild, und er hofft, dass er mit dessen Unterstützung in den kommenden Meisterschaften zum Erfolg bringen wird.

Simon Bayer mit Siegerurkunde

Aber Bayer weiß auch, dass ein Leben mit Sport nur von begrenzter Dauer ist. Deswegen will er nach Beendigung seiner Ausbildung im Herbst an der Hochschule Esslingen mit dem Studium der Wirtschaftsinformatik beginnen. Er hat sich für Esslingen deswegen entschieden, weil sie die Partnerhochschule des Olympiastützpunkts Stuttgart ist und ein flexibles Lernen ermöglicht. Finanziell unterstützt wird er dabei nicht nur durch seine Eltern, sondern auch durch die Förderung der Deutschen Sporthilfe.

Jetzt hat Bayer seine Prüfung als Fachinformatiker für Systemintegration erfolgreich abgelegt, wozu wir ihm herzlich gratulieren.

Text: da

Fotos: Simon Bayer